AMK / Die AMK erreichte eine Meldung aus einer Apotheke zu
auftretenden Nebenwirkungen bei einer 48-jährigen Frau nach einmaliger
Einnahme einer Trinkampulle einer „AAFQ GLP-1 oralen Lösung zur
Gewichtsreduktion“. Etwa zwei Stunden nach der Anwendung traten starke
Übelkeit, Schwindel sowie Knieschmerzen mit ausgeprägten
Wassereinlagerungen in den Oberschenkeln auf; ebenso zeigte sich dort
ein roter, fleckiger Hautausschlag.
Die betroffene Person suchte am folgenden Tag die Apotheke auf. Die
Wassereinlagerungen bildeten sich innerhalb von zwei Tagen zurück;
Übelkeit und Kopfschmerzen bestanden noch eine Woche nach der Einnahme.
Laut meldender Apotheke wurde das Produkt aufgrund von Werbung in
sozialen Medien über das Internet erworben. Das Präparat ist nicht in
der ABDA-Datenbank gelistet; der Produktstatus ist auf dem betreffenden
Umkarton nicht deklariert. Als (wirksame) Bestandteile werden
„Meglutide“, Moringa, Apfelessigpulver, Kurkuma, Ginkgo-biloba-Extrakt,
Sonnenhut, Probiotika und Grüntee-Extrakt angegeben. Der genannte
Wirkstoff „Meglutide“ ist in der wissenschaftlichen Literatur nicht
beschrieben. Auffällig ist zudem, dass auf der Verpackung unzulässig
Logos verschiedener Institutionen (u. a. BfArM, EFSA) verwendet werden
(siehe Abbildung).
Im Auftrag der AMK untersuchte das Zentrallaboratorium Deutscher
Apotheker e. V. (ZL) das vorgelegte Muster. Mittels einer hausinternen
HPLC-HRMS-Methode (Hochdruckflüssigchromatographie gekoppelt an
hochauflösende Massenspektrometrie) wurde auf das Vorhandensein von 153
häufig in Schlankheitsmitteln verwendeten Substanzen getestet. Keine
dieser Substanzen konnte nachgewiesen werden. Ebenso waren weder
pflanzliche Extrakte noch Semaglutid oder andere GLP-1 Rezeptoragonisten
nachweisbar.
Dagegen konnte Methylparaben in einer
geschätzten Konzentration von 0,08 % detektiert werden. Dies entspricht
der bei wasserhaltigen Produkten für Konservierungszwecke in der Regel
eingesetzten Konzentration.
Ein weiterer Peak mit einer
Molmasse von m/z 389,0636 Da konnte keiner der in diversen Datenbanken
aufgeführten Substanzen zugeordnet werden. Eine ergänzende Prüfung durch
ein weiteres unabhängiges Labor mittels GC-MS und LC-HRMS/MS fand
ebenfalls keine (bekannten) Arzneistoffe oder andere relevanten
Substanzen.
Aufgrund der unbekannten Zusammensetzung, der
beschriebenen Nebenwirkungen sowie der irreführenden Aufmachung des
Präparats stuft die AMK das Produkt als gesundheitsgefährdend ein.
Aktuell liegen Anhaltspunkte für den betrügerischen Internethandel mit
einem illegalen Produkt vor.
Der vorliegende Sachverhalt
unterstreicht die wichtige Funktion der Apotheken vor Ort als
niedrigschwellige Anlaufstelle für Betroffene. Die AMK bittet
Apothekerinnen und Apotheker, Patienten im Falle entsprechender Anfragen
von dem Bezug dubioser Produkte aus dem Internet abzuraten.
Verdachtsfälle von Nebenwirkungen im Zusammenhang mit vermeintlichen
Schlankheitsmitteln sind bitte unter www.arzneimittelkommission.de zu
melden. /
Quellen
Swissmedic; Swissmedic warnt vor gefälschten und
irreführenden «GLP-1»-Produkten zur Gewichtsreduktion. www.swissmedic.ch
→ Humanarzneimittel → Marktüberwachung → Illegale Arzneimittelimporte →
Informationen (11. Dezember 2025)