In dieser Rubrik finden Sie nicht nur neue Arzneimittel aufgelistet, sondern auch die aktuellen Nachrichten der Arzneimittelkommission (AMK), wie z. B. Rückrufe oder Rote-Hand-Briefe. Sie können außerdem in unserem Archiv gezielt nach früheren Informationen suchen.

Wichtige Arzneimittelinformationen

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KategorieProduktWirkstoffHerstellerPZNsDatum
ChargenrückrufDuloxetin Glenmark 20 mg magensaftresistente HartkapselnDuloxetinGlenmark Arzneimittel1132331514.07.2025
HerstellerinformationFagron &Co. KG10.07.2025
ChargenrückrufClarithromycin Accord 250 mg und 500 mg FilmtablettenClarithromycinAccord Healthcare13893229
13893212
13893241
13893258
08.07.2025
ChargenüberprüfungenFinasterid-Hormosan 1 mg FilmtablettenFinasteridHormosan Pharma1032578907.07.2025
ChargenrückrufParacetamol SANAVITA 125 mg Zäpfchen, 10 Stück, Paracetamol SANAVITA 250 mg Zäpfchen, 10 StückParacetamolSanavita Pharmaceuticals14416388
14416394
07.07.2025
Neue Arzneimittel
mit Abgabesituation
Duvyzat®GivinostatItalfarmaco01.07.2025
Neue Arzneimittel
mit Abgabesituation
Sephience®SepiapterinPTC Therapeutics International01.07.2025
ChargenrückrufPedanios 10 / 13 MBE-CA CannabisblütenAurora Deutschland1907970230.06.2025
ChargenrückrufPedanios 22 / 1 Cannabisblüten13334122Aurora Deutschland30.06.2025
ChargenrückrufPropolis Urtinktur Hanosan, 20 und 50 mlHanosan02392240
02392257
25.06.2025
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KategorieTitelDatum
Information der Institutionen und BehördenAMK: Estramon conti® – Risiko von Minderwirkung, Hautirritation und mangelnder Klebkraft bei Verwechslung des Wirkstoffpflasters mit dem hautfarbenen Trockenmittel 26.02.2019
Information der Institutionen und BehördenColchicum-Dispert® und Colchysat® Bürger: Reduktion der Dosierung und maximalen Gesamtdosis pro Gichtanfall 19.02.2019
Information der Institutionen und BehördenPEI: Ungleichverteilung der Influenza-Impfstoffe in der Grippe-Saison 2018/2019: Verbraucherportal erweist sich als hilfreich 05.02.2019
Information der Institutionen und BehördenCHMP/EMA: Risikobewertungsverfahren zu potentiell krebserregenden Verunreinigungen in Sartanen: Herstellungsverfahren müssen überprüft werden; erneute Einschätzung zum toxikol. Risiko 04.02.2019
Information der Institutionen und BehördenAMK: Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht 29.01.2019
Information der Institutionen und BehördenDie AMK in Zahlen: Das Jahr 2018 29.01.2019
Information der Institutionen und BehördenAMK: Liste der (Chargen-)Rückrufe Sartan-haltiger Arzneimittel 14.01.2019
Information der Institutionen und BehördenBfArM: Alimta® (Pemetrexed) 500 mg Pulver zur Herstellung eines Konzentrates zur Herstellung einer Infusionslösung: Fälschungsverdachtsfall 28.12.2018
Information der Institutionen und BehördenBfArM: Seebri Breezhaler® (Glycopyrroniumbromid) 44 Mikrogramm Hartkapseln mit Pulver zur Inhalation: Fälschungsverdachtsfall 28.12.2018
Information der Institutionen und BehördenAMK: Stellungnahme zum Referentenentwurf eines Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) 19.12.2018

Information der Institutionen und Behörden

AMK: nicht verschreibungspflichtige Pseudoephedrin-haltige Kombinationsarzneimittel: kardiovaskuläre Risiken und mögliche Überempfindlichkeitsreaktionen beachten

Datum:
14.09.2026

Die AMK hat die ihr vorliegenden Meldungen zu nicht verschreibungspflichtigen Pseudoephedrin-haltigen Kombinationsarzneimitteln ausgewertet. Für den Zeitraum 1. Januar 2013 bis 30. Juni 2026 wurden 51 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) im Zusammenhang mit sieben rezeptfrei erhältlichen Präparaten identifiziert. Davon entfielen 15 Meldungen auf Kombinationen mit H1-Antihistaminika, 19 Berichte auf Kombinationen mit Acetylsalicylsäure (ASS) und 17 mit Ibuprofen.

Pseudoephedrin wird u. a. zur kurzfristigen symptomatischen Behandlung von Erkältungen und allergischer Rhinitis eingesetzt, u. a. kombiniert mit Ibuprofen, ASS, Cetirizin oder Triprolidin. Je nach Präparat beträgt die Einzeldosis 30-120 mg; gemäß Anlage 1 Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) sind bis zu 720 mg Pseudoephedrin pro Packung zulässig.

Das berichtete Spektrum an Nebenwirkungen war heterogen; innerhalb einer Meldung wurden teilweise mehrere Symptome berichtet. In den 51 Berichten wurden 19-mal allergische (z. B. Exanthem, Juckreiz) und 31-mal kardiovaskuläre Nebenwirkungen (u. a. Tachykardie, Blutdruckanstieg) gemeldet; sieben Meldungen enthielten Symptome beider Gruppen. Über den gesamten Zeitraum hinweg überwogen kardiovaskuläre Symptome.

Bei dokumentierter Altersangabe waren 41 Patientinnen und 10 Patienten zwischen 19 und 84 Jahren betroffen; am häufigsten Personen zwischen 40–49 Jahren (n=19). Ein altersabhängiges Risiko lässt sich aus den Daten nicht ableiten.

Eine vertiefte Betrachtung entsprechender Risiken erfolgte unter anderem nach einer von der AkdÄ veröffentlichten Kasuistik, zu der die AMK mit der AkdÄ in fachlichem Austausch stand. Die AkdÄ berichtete über den Fall eines 42-jährigen Mannes, der nach erstmaliger Einnahme eines apothekenpflichtigen Kombinationsarzneimittels mit Pseudoephedrin und ASS innerhalb von 30 Minuten Thoraxschmerzen und Schweißausbrüche entwickelte (1, 2). Im weiteren Verlauf traten Kammerflimmern, generalisierte Koronarspasmen sowie ein Hinterwandinfarkt auf. Eine Reanimation mit Defibrillation war erforderlich. Der Patient wurde intensivmedizinisch versorgt und erhielt mehrere Stents (1, 3). Die Differentialdiagnose lautete „Reaktion auf Pseudoephedrin“ sowie „Prinzmetal-Angina“. Zu den berichteten Risikofaktoren des Patienten zählen Heuschnupfen, chronische Sinusitis und Asthma bronchiale (4). Als weitere verdächtige Substanz wurde Cetirizin (H1-Antihistaminikum) als Begleitmedikation genannt (2).

Pseudoephedrin wirkt als indirektes Sympathomimetikum, indem es die Freisetzung von Noradrenalin fördert. Die daraus resultierende Vasokonstriktion kann zu einem Blutdruckanstieg und Vasospasmus führen, was den Zusammenhang mit den beobachteten Koronarspasmen erklären könnte (1). Ein Hersteller verweist gegenüber der AMK zudem auf die Möglichkeit einer allergischen Reaktion auf ASS, die im Rahmen eines Kounis-Syndroms zu einem akuten Koronarsyndrom geführt haben könnte (4). Das Kounis-Syndrom wird mittlerweile in den aktuellen Produktinformationen adressiert (6).

Im Zusammenhang mit ASS-bedingten Überempfindlichkeitsreaktionen gelten insbesondere Bronchialasthma, Heuschnupfen, Nasenpolypen und chronische Atemwegserkrankungen als relevante Risikofaktoren. Pseudoephedrin-haltige Kombinationsarzneimittel sind bei schwerer oder unkontrollierter Hypertonie sowie bei anderen schweren kardiovaskulären Erkrankungen, darunter koronare Herzkrankheit und Tachyarrhythmien, kontraindiziert (5-7). 

Die AMK rät daher zu einer kritischen Nutzen-Risiko-Abwägung bei der Abgabe Pseudoephedrin-haltiger Kombinationsarzneimittel. Relevante kardiovaskuläre Gegenanzeigen und Risikofaktoren sind sorgfältig zu beachten. Bei ASS-haltigen Kombinationen sollten zusätzlich Hinweise auf eine mögliche Unverträglichkeit berücksichtigt werden. Ist nicht die Behandlung sämtlicher durch das Kombinationspräparat adressierter Symptome erforderlich, sollte geprüft werden, ob eine gezielte symptomatische Therapie mit geeigneten Monopräparaten ausreichend ist.

Risiken im Zusammenhang mit der Anwendung Pseudoephedrin-haltiger OTC-Arzneimittel sind vorzugsweise online unter www.arzneimittelkommission.de zu melden. /


Quellen
1)    AkdÄ: Koronarspasmen und Myokardinfarkt nach Pseudoephedrin. www.akdae.de → Arzneimittelsicherheit → Drug Safety Mail 2024-52 (Zugriff am 19. Dezember 2024).
2)    Stada Arzneimittel AG an AMK (E-Mail-Korrespondenz); […] Anfrage zu Meldungen im Zusammenhang mit generalisierten Koronarspasmen. (8. Januar 2025).
3)    EMA; EudraVigilance-Datenbank (Fallnummer: EU-EC-10018009956). www.adrreports.eu → Meldungen über Verdachtsfälle bei Nebenwirkungen bei Substanzen → Pseudoephedrine Hydrochloride, Acetylsalicylic Acid → Line Listing (Zugriff am 24. Januar 2024).
4)    Bayer Vital GmbH an AMK (E-Mail-Korrespondenz); […] Anfrage zu Meldungen im Zusammenhang mit generalisierten Koronarspasmen […]. (23. Januar 2025).
5)    Johnson & Johnson GmbH; Fachinformation Reactine duo 5 mg / 120 mg Retardtabletten, Stand: Mai 2025.
6)    Bayer Vital GmbH; Fachinformation Aspirin Complex, Granulat zum Herstellen einer Suspension zum Einnehmen, Stand: März 2026.
7)    Angelini Pharma Deutschland GmbH; Fachinformation BoxaGrippal Erkältungssaft 200 mg/10 ml + 30 mg/10 ml Suspension zum Einnehmen, Stand November 2025.