AMK / Im Zeitraum von Januar 2023 bis Februar 2026 überblickt die AMK
insgesamt 31 Spontanberichte aus Apotheken zu Okedi (Risperidon) 75 mg
und 100 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer
Depot-Injektionssuspension, darunter fünf Fälle zu Import-Präparaten. Es
wurden Probleme im Zusammenhang mit der Rekonstitution berichtet, wie
das Austreten der Suspension, die Bildung von Rissen an der Spritze (siehe Abbildung 1) sowie eine als zu hoch beschriebene Viskosität der zubereiteten Suspension.
Okedi wird zur Behandlung von Schizophrenie bei Erwachsenen
angewendet, bei denen die Verträglichkeit und Wirksamkeit von oralem
Risperidon bereits nachgewiesen ist. Die Rekonstitution erfolgt durch
Fachpersonal unmittelbar vor der Applikation.
Im genannten Zeitraum gingen bei der AMK zu anderen, bereits länger
im Markt befindlichen Risperidon-haltigen Depotarzneimitteln zur
intramuskulären Anwendung durch Fachpersonal lediglich zwei Meldungen zu
Rekonstitutionsproblemen bei Rispolept Consta sowie eine Meldung bei
Risperdal Consta ein. Die Präparate unterscheiden sich galenisch: Die
älteren Präparate enthalten Mikrosphären-Partikel, während das neuere
Präparat Okedi nach parenteraler Gabe eine Polymermatrix in situ bildet
(1).
Gegenüber der AMK führt die Firma Unterschiede in der Handhabung
zwischen bereits etablierten Depotpräparaten und Okedi als potenziell
begünstigende Faktoren an, die das Risiko von Anwendungsfehlern erhöhen
können.
Während die seit Langem im Markt befindlichen Präparate gekühlt
gelagert werden müssen, ist für Okedi keine Kühlung vorgesehen (2). Für
die korrekte Rekonstitution von Okedi ist zudem die Beachtung einer
Mindesttemperatur notwendig, da der Inhalt unter 19 °C gefriert (3). Vor
Beginn der Zubereitung muss daher sichergestellt werden, dass beide
Spritzen diese Mindesttemperatur (19 °C) aufweisen. Meldungen zu
erhöhter Viskosität werden daher auf Lagerungsfehler beziehungsweise die
Missachtung dieser Temperaturvorgabe zurückgeführt.
Okedi wird als Set aus zwei über ein Gewindesystem verbindbaren
Fertigspritzen bereitgestellt – eine mit Pulver, die andere mit
Lösungsmittel –, die durch wiederholtes, kräftiges Hin- und Herdrücken
der Kolben rekonstituiert werden. Die gemeldeten Rissbildungen an den
Spritzen führt die Firma schließlich auf ein Überdrehen beim
Verschrauben zurück (4). Laut Gebrauchsinformation sind die Spritzen
lediglich bis zu einem spürbaren leichten Widerstand zu verbinden; dabei
verbleibt ein sichtbarer Abstand (siehe Abbildung 2).
In der Gesamtschau bewertet die AMK die gemeldeten
Rekonstitutionsprobleme als vermutlich anwendungsbedingt.
Fehlerbegünstigend erscheint insbesondere die Kombination aus nicht
intuitiver Verschraubungstechnik und anschließendem intensivem
Mischvorgang (100-maliges rasches Hin- und Herdrücken der Kolben über
eine Minute) sowie der temperatursensitiven Handhabung des Präparates.
Die AMK hält daher eine deutlichere Hervorhebung der
Temperaturanforderungen sowie eine visuell klar erkennbare Darstellung
des korrekten Verschraubungsabstands in der Fach- und
Gebrauchsinformation für notwendig.
Die AMK bittet Apothekerinnen und Apotheker, das medizinische
Fachpersonal auf die korrekten Lagerungs- und Zubereitungsbedingungen
hinzuweisen. Bei eingehenden Reklamationen sollte die Einhaltung der
sensiblen Rekonstitutionsschritte erfragt und konkret im Rahmen der
AMK-Meldung dokumentiert werden.
Verdachtsfälle von Risiken im Zusammenhang mit Risperidon-haltigen
Depotarzneimitteln sind bitte online unter www.arzneimittelkommission.de
zu melden. /
Quellen
1.) Assion H‑J, Aubel T, Hajak G, Heres S, Hurlemann R, Kühn K‑U,
Leopold K, Rujescu D, Vasic N, Wobrock T, Leucht S: Risperidon ISM®:
innovative Depotformulierung zur Therapie der Schizophrenie.
Psychopharmakotherapie 2023;30(3):72–81.
2.) Laboratorios
Farmacéuticos Rovi, S. A.; Gebrauchsinformation OKEDI 75 mg/- 100 mg
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer
Depot-Injektionssuspension, Stand September 2025.
3.) Laboratorios
Farmacéuticos Rovi, S. A.; Fachinformation OKEDI 75 mg/- 100 mg Pulver
und Lösungsmittel zur Herstellung einer Depot-Injektionssuspension,
Stand Mai 2023.
4.) Laboratorios Farmacéuticos Rovi, S. A. an AMK
(E-Mail-Korrespondenz); OKEDI 100 mg Plv.u.LM H.Depot-Inj.-Susp.Fert.-S.
- Spontanberichte. (16. Februar 2026)