AMK / Die AMK hat die ihr vorliegenden Spontanmeldungen zu
Mometason-haltigen Nasensprays im Zeitraum von Januar 2017 bis September
2025 ausgewertet. Insgesamt wurden 208 Beanstandungen zu
eingeschränkter Sprühfunktion erfasst, darunter 26 (12,5 %) Meldungen zu
nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Apotheken berichteten
hierin, dass teils bereits nach wenigen Anwendungen nur noch
ungleichmäßige oder keine Sprühstöße mehr abgegeben werden konnten.
Betroffen sind Arzneimittel von 17 verschiedenen Zulassungsinhabern.
Mometason wird nasal zur symptomatischen Behandlung der saisonalen
und ganzjährigen Rhinitis bei Erwachsenen und Kindern ab drei Jahren
angewendet sowie zur Behandlung der Nasenpolypen bei Erwachsenen.
Bei Mometason-haltigen Nasensprays handelt es sich um thixotrope
Formulierungen, bei denen die Suspension im Ruhezustand dickflüssig
erscheint, bei mechanischer Beanspruchung (Schütteln) hingegen die
Viskosität abnimmt. So soll verhindert werden, dass sich die festen
Bestandteile der Suspension (über einen längeren Zeitraum) absetzen und
die Suspension bricht (1).
In den jeweiligen Produktinformationen sind daher Hinweise
hinterlegt, ob das Präparat gegebenenfalls vor der Erstanwendung
aktiviert beziehungsweise vor jeder Anwendung die Suspension
aufgeschüttelt werden muss. Nach Anwendung können zudem Rückstände der
Suspension im Nasenstück verbleiben und über die Zeit (in Ruhe) gelartig
werden und so zur Verstopfung der Austrittsöffnung führen.
Daher empfehlen die Gebrauchsinformationen der betroffenen Präparate,
das Nasenstück und die Schutzkappe regelmäßig in warmem Wasser zu
reinigen und anschließend unter fließendem Wasser abzuspülen. Die
Austrittsöffnung darf nicht mit Nadeln oder anderen spitzen Gegenständen
bearbeitet werden, da dies den Sprühkopf beziehungsweise den
Mechanismus für die Feinverneblung (irreparabel) beschädigen kann,
wodurch die korrekte Dosisabgabe beeinträchtigt wird (2). Die Öffnung
misst etwa 0,2 mm, die dahinterliegende Verwirbelungskammer ist noch
feiner strukturiert (3).
Von 208 Meldungen zur eingeschränkten Sprühfunktion bestätigten acht
Fälle einen herstellungsbedingten Qualitätsmangel. In 45 der AMK
vorliegenden Firmenstellungnahmen mit erfolgter Musteruntersuchung
wurden herstellerbedingte Ursachen hingegen ausgeschlossen; in 24 (53 %)
Prüfungen dokumentierten die Firmen Manipulationen am Nasenstück, etwa
den Versuch, den Sprühkopf mit spitzen Gegenständen gangbar zu machen.
Die Unternehmen führen das Fehlerbild somit überwiegend auf eine nicht
sachgemäße Reinigung beziehungsweise Manipulation des Applikators zurück
(siehe Abbildung).
In der Literatur werden Medikationsfehler bei Kortison-haltigen
Nasensprays beschrieben, insbesondere hinsichtlich der korrekten
kontralateralen Sprühtechnik mit von der Nasenscheidewand weg
gerichteter Düse (4, 5). Die Auswertung der AMK zeigt jedoch, dass auch
die Pflege und Reinigung der Applikatoren häufig patientenseitigen
Fehlern unterliegen können, wenn die Hinweise der Gebrauchsinformation
nicht korrekt befolgt werden.
Die AMK empfiehlt daher, bei Reklamationen defekter Pumpmechanismen
zunächst die durchgeführte Reinigung zu erfragen, um zwischen einem
Verdacht eines Qualitätsmangels des betroffenen Arzneimittels und einem
(potenziellen) Anwendungsfehler zu differenzieren. Die Ergebnisse
sollten der AMK im Rahmen der Meldung mitgeteilt werden. Die AMK
empfiehlt Apothekerinnen und Apothekern zudem, bei Abgabe
Mometason-haltiger Nasensprays Patienten auf die korrekte Handhabung und
Reinigung gemäß Gebrauchsinformation hinzuweisen.
Verdachtsfälle von Arzneimittelrisiken im Zusammenhang mit
Mometason-haltigen Arzneimitteln sind bitte unter
www.arzneimittelkommission.de zu melden. /
Quellen
1.) MSD Sharp & Dohme GmbH an AMK (E-Mail-Korrespondenz); […] Nasonex® 140 Sprühstöße Nasenspray […]. (5. Dezember 2017).
2.) Organon Healthcare GmbH; Gebrauchsinformation NASONEX® 50 μg/Sprühstoß, Nasenspray, Suspension, Stand März 2024.
3.) Galenpharma GmbH an AMK (E-Mail-Korrespondenz); […] AMK-Fallnummer
[…] zu MOMEGALEN 50 μg/Sprühstoß Nasenspr.140 Sprühst. (20. Februar
2024)
4.) Al-Taie A. A systematic review for improper application of
nasal spray in allergic rhinitis: A proposed role of community
pharmacist for patient education and counseling in practical setting.
Asia Pac Allergy. 2025 Mar;15(1): 29-35.
5.) Rollema C, van Roon EN,
de Vries TW. Inadequate quality of administration of intranasal
corticosteroid sprays. J Asthma Allergy. 2019 Apr 3; 12:91-94.